Ich denke an den Tod. Jeden Tag. Jeden verdammten Tag denke ich übers Sterben nach. Ich sitze an einem Sonntagnachmittag in der Sonne und denke daran wie perfekt Sonntagnachmittage zum Sterben sind, wenn die Einsamkeit besonders hart zuschlägt. Ich sehe meine Kinder lachen und überlege, ob ein erweiterter Selbstmord nicht das Klügste wäre.
Ich habe Angst. Sie sitzt wie ein schwarzes Tier auf meiner Brust und nimmt mir die Luft zum Atmen. Ich stecke unter einer Glasglocke und funktioniere noch, aber ich lebe nicht mehr. Um mich herum ist nur Stille. Ich fühle nichts mehr. Wenn ich in mich hineinschaue sehe ich nur Tränen.
Ich weiß, daß das die Depression ist, in deren tiefem Wasser ich treibe. Und ich weiß daß das nicht immer so war – aber ich kann mich nicht daran erinnern, daß es je anders war. Ich sehe kein Ufer, nirgends.
Ich habe keine Worte mehr. Ich bringe die Kinder weg und verkrieche mich, bis ich sie wieder holen muß. Ich gehe mit ihnen auf den Spielplatz, weil man das nunmal so macht und versuche, all ihre Fragen zu beantworten, trotz der Müdigkeit in mir. Für mehr habe ich keine Worte. Die Kinder sind die Leidtragenden, auch wenn ich versuche, so weit wie möglich auf sie einzugehen. Wo fängt Vernachlässigung an?
Ich kann kaum sagen wie lange sie mich schon in ihren Fängen hat. Nach der Geburt der Kinder hatte ich keine Zeit, über mein Befinden nachzudenken und als ich dann endlich Zeit hatte, da war sie schon fester Bestandteil meines Lebens.
Dann gibt es wieder Phasen, da strotze ich vor Energie und denke, ich hätte die Depression überwunden. Hab ich nicht, sie hat sich nur versteckt. Sie sitzt und wartet auf eine Gelegenheit, wieder hervorzuspringen.